Internationale Robert Musil Gesellschaft

„[…] in jedem Beruf, wenn man ihn nicht für Geld, sondern um der Liebe willen ausübt, kommt ein Augenblick, wo die ansteigenden Jahre ins Nichts zu führen scheinen.“

Robert Musil 1930

"Mediale Zeichnungen" - eine von Musil besprochene Ausstellung (Wien 1922)

Robert Musil sieht im Juli 1922 in Wien die Ausstellung „Mediale Zeichnungen“, zu der er eine Besprechung verfasst, die sich auffällig vom satirischen Ton seiner sonstigen Kunstkritiken abhebt. Dies mag daran liegen, dass dies Zeichnungen sind, die „spiritistische Medien […] ausgeführt haben, die im Normalzustand des Zeichnens, ja sogar des Lesens und Schreibens unkundig sein sollen.“ (GW II, S. 1596) Musil beschreibt diese Blätter sehr genau und hebt dabei u.a. die „satanische Genauigkeit“ der Linienführung hervor.

Kürzlich ist ein Aufsatz von Kira Kaufmann erschienen, in dem vier der damals von Musil gesehenen Zeichnungen abgebildet sind. Der Aufsatz analysiert auch andere Besprechungen dieser Ausstellung, beispielsweise jene von Herbert Silberer, der aus psychoanalytischer Perspektive die Bilder auf abgespaltene psychische Anteile zurückführt. Darüber hinaus bettet Kaufmann diese Ausstellung in ihren kulturellen Kontext ein (Neuromantik, Okkultismus, Expressionismus …).

Kira Kaufmann: Mediale Zeichnungen, in: Gespenstische Technologie. Neoromantische Technik- und Medienreflexionen um 1900. Hg. von Raphael Stübe und Stefan Tetzlaff. Würzburg: Königshausen und Neumann 2025.

https://verlag.koenigshausen-neumann.de/product/9783826085864-gespenstische-technologie