INTERNATIONALE ROBERT MUSIL GESELLSCHAFT (IRMG)

Die Gesellschaft sammelt und verbreitet auf den Autor und sein Werk bezogene Informationen, sie pflegt die Verbindung mit Archiven und Forschungsstellen, sie organisiert selbst und trägt zur Organisation von Symposien, Ausstellungen, Vorträgen bei, die Robert Musil und seinem Schaffen gewidmet sind. Zusammenfassend lässt sich die Tätigkeit der Gesellschaft in folgenden Punkten zusammenfassen:

  • Zusammenarbeit mit Forscherinnen, Forschern und Institutionen zur Förderung des Verständnisses der Werke Robert Musils und der Erforschung ihrer Wirkungsgeschichte
  • Unterstützung von wissenschaftlichen Ausgaben der Werke und des Nachlasses Robert Musils
  • Organisation literarischer Veranstaltungen und Lesungen, Ausstellungen und wissenschaftlicher Kolloquien
  • Herausgabe des Jahrbuchs "Musil-Forum", das im Zweijahresrhythmus beim Verlag de Gruyter erscheint.







Ludvík Václavek (1931-2021)


Uns hat die traurige Nachricht erreicht, dass Univ.-Prof. Dr. Ludvík Václavek am 4. Oktober 2021 im 90. Lebensjahr verstorben ist. Ludvík Václavek war ein langjähriges Mitglied der Gesellschaft und auch Mitglied des Kuratoriums.

Ludvík Václavek studierte deutsche und russische Philologie an der Philosophischen Fakultät der Palacký-Universität Olomouc (Olmütz), sein Promotionsstudium absolvierte er teilweise bei Hans Mayer in Leipzig. Schon bald danach wurde er Lehrstuhlleiter und Prodekan. 1972 wurde er jedoch im Zuge der sogenannten „Normalisierung“ entlassen. In der Folge arbeitete er jahrelang als Bibliothekar und fertigte auch Übersetzungen, u.a. von Herder, an. Gegen Ende der kommunistischen Herrschaft gelang es ihm, an einigen wissenschaftlichen Tagungen im Ausland teilzunehmen, zum Beispiel an dem Kolloquium "Wesen und Eigenart der österreichischen Literatur“ (Saarbrücken, 30.11.-2.12.1988).

Nach der samtenen Revolution des Jahres 1989 kehrte Ludvík Václavek wieder in führende Positionen an der Palacký-Universität Olmütz zurück. Er übernahm die Leitung des Lehrstuhls für Germanistik und fungierte als Dekan der Philosophischen Fakultät. Zudem gehörte er zahlreichen wissenschaftlichen Beiräten an. 1998 gründete er zusammen mit Lucy Topolská und Jan Chytil die "Arbeitsstelle für deutschmährische Literatur", die eine Datenbank und ein Archiv einrichtete, Symposien veranstaltete und zahlreiche Publikationen erarbeitete. Im Jahr 2003 wurde ihm – zugleich mit dem slowenischen Schriftsteller Drago Jančar – der Herder-Preis verliehen.

An der Palacky-Universität Olmütz förderte Ludvík Václavek die Musil-Forschung und legte auch selbst Publikationen zu Robert Musil vor. Im Musil-Forum 1990 erschien sein Aufsatz "Robert Musil in tschechoslowakischer Sicht". 1993 hielt er beim Kolloquium "Robert Musil – ein Mitteleuropäer" in Brünn einen Vortrag zur Musil-Rezeption in der Tschechoslowakei. 2000 publizierte er gemeinsam mit Lucy Topolská den umfangreichen Band „Beiträge zur deutschsprachigen Literatur in Tschechien“; darin veröffentlichte er etliche essayistische Beiträge – zu Charles Sealsfield, Franz Spunda, Josef Mühlberger, zum magischen Roman, zum Naturalismus, zur deutschen Dichtung im Konzentrationslager Theresienstadt und auch einen Aufsatz mit dem Titel „Robert Musil in der Tschechoslowakei“.

2001 erschien ein Band „Deutschböhmische Literatur“, herausgeben von der "Arbeitsstelle für deutschmährische Literatur". Der Einleitungsaufsatz von Josef Peter Strelka stellt eine Hommage an Ludvík Václavek anlässlich seines 70. Geburtstags dar. Strelka hebt nicht nur die Bedeutung seiner germanistischen Publikationen und sein umfassendes literaturhistorisches Wissen hervor, sondern auch den Mut und die Geduld Václaveks, „sich dem Diktat totalitärer Anordnungen und Befehle“ zu widersetzen.


Thomas Hübel, Wien